AUSTRIAN WHARRAM CIRCLE


TIKI 38- TIKIMATA Meinhard Koch


Im Sommer 2000 wurde TIKIMATA von Jürgen Roy in Augsburg (Deutschland) fertiggebaut.Meinhard Koch, Christof Kahl & Peter Weigel halfen als Support Crew. Die Tiki wurde auf einmal mittels Tiefflader nach Norditalien gebracht und zusammengebaut, auf den Trollies hinter Peters Bus zum Wasser gezogen und dann geslippt. (Meinhard Koch produzierte ein 20 Minuten Video (Uraufführung Wintertreffen 2000 in Wien)

TIKIMATA hat einige Veränderungen und dazu gibt es auch einige Geschichte, vor allem der Mast machte Probleme, diese sind aber gelöst (LINK Mast Bau Tiki 38)

Seit 2002 segelt TIKIMATA unter neuem Eigner Meinhard Koch in Griechenland

Foto - Bericht Segeltörn Sommer 2005

Meinhard erzählt hier seine Geschichte von der TIKIMATA

Anbei die Geschicht von Tikimata. Mein erster Kontakt zu TIKIMATA entstand durch, wie kann es anders sein, das Internet. Da ich dabei war, den Tiki 38 Plan Nr. 44 umzusetzen, war ich an Kontakt zu anderen 38er Bauern interessiert. Im Jahrbuch der PCA fand ich einige Anschriften mit E-mail-Verbindung. Die habe ich kontaktiert und so auch Jürgen Roy aus Augsburg kennengelernt. Der Informationsaustausch war rege und so war ich denn auch beim Stapellauf im September 2000 in Isola/Slowenien dabei. Ein kleiner Videofilm ist dabei entstanden und bei meinem ersten Kontakt mit einer fertigen Tiki 38 gewaltiger Respekt vor dem grossen Projekt! Habe ich doch als bisher grösstes Projekt eine Tiki 26 gebaut. Die Grössenordnung hat sich allerdings schon abgezeichnet ,nachdem ich die Querträger und Masten fertigestellt hatte. Durch einige Veränderungen gegenüber dem Plan (z.B.Verstagung) hat Jürgen kurz nach dem Auslaufen Richtung Griechenland Mastbruch am Grossmast. Ich bin in die Bresche gesprungen und habe ihm meine 2 fertigen Masten als Ersatz verkauft und nach STELLA MARINA geschickt. Leider hat Jürgen die Veränderungen an der Verstagung nicht geändert, sodass in Italien ein weiterer Mastbruch folgte (25 kt Wind, starkes Aufschaukeln einer  Eigenfrequenz des Mastes bis zur Zerstörung). Der Mast wurde in einer Werft in Süditalien repariert und das Tabernakel mit einem Delphinstag verstärkt, da auch  dieses nach unten durchgedrückt wurde. Jürgen setzte im Herbst 2001 zum Sprung in die Karibik an, passierte die Strasse von Gibraltar und auf halben Weg zu den Kanaren ereilte ihn abermals das Schicksal:  Aber lassen wir ihn selbst erzählen. Hier sein Bericht im original Wortlaut: ....Da ich im Oktober noch unbedingt aus dem Mittelmeer rauswollte, habe ich im ganzen westlichen Mittelmeer mit ständigen Westwetterlagen immer nur auf Wetterfenster gelauert, um Strecke nach Westen zu machen.Für´s Gegenan-knüppeln  sind die Kreuzeigenschaften am Wind von TIKIMATA einfach zu schlecht. Dadurch musste ich einige lange Tages- und Nachtschläge machen, was ganz gut geklappt hatte. Am 13.10.allerdings erwischte mich hinterm CAPO DE JATO (S-O Ecke Spaniens) nach Mitternacht ein heftiger Gewittersturm mit Böen um 60 Kts und gigantischen Wellen (keine Vorwarnung im Wetterbericht!). Ich konnte gerade noch den letzten Rest Segel herunterzerren, dann bin ich mit 7 - 8 Kts abgelaufen. Zum Glück trieb mich der Wind von der felsigen Küste weg - sonst hätte ich meinen Fallschirmseeanker ausgeworfen. 4 Stunden dauerte der Hexentanz. bei Tageslicht lief ich dann in Almeria ein, wo ich hörte, dass es der schlimmste Sturm seit Jahren gewesen sein soll mit viel Rigg-Schäden in der Marina und Booten in Seenot.TIKIMATA aber war völlig unversehrt, was mir ziemlich Mut machte. Nachdem Michael aus Augsburg für die Weiterreise zu den Kanaren eingeflogen war, habe ich aber sicherheitshalber alle Wanten gegen 6 mm Draht mit Lashingspannern ausgetauscht; meinen Press-Terminals mit Stahl-Wantenspannern habe ich nicht mehr so richtig getraut. Nachdem wieder für drei Tage Ostwind vorausgesagt war, sind wir in einem Rutsch die 140 SM nach Gibraltar gesegelt - bei leichtem bis mittlerem Wind ist TIKIMATA einfach phantastisch gelaufen! Am 18.10. sind wir bei Sonnenaufgang aufgebrochen, um den Tidenstrom und den letzten Ostwind für die Durchfahrt durch die Strasse von GIBRALTAR zu nutzen. Allerdings stimmte weder Strom noch Wind, aber mit Motorhilfe waren wir bis Mittag durch. Auf dem ATLANTIK fanden wir aber anstelle des vorhergesagten N-W Windeseinen ruppigen S-Wer mit 6-7Stärke. mit ekeliger steiler Welle gegen die alte Dünung vor. Fast 2 Tage und Nächte knüppelten wir gegenan mit möglichst langen Schlägen gegen Westen, um bei Winddrehung auf West weit genug von der marokkanischen Küste frei zu sein. Wir hatten keinen trockenen Fetzten mehr zum anziehen und froren recht jämmerlich. Die steilen Wellen schlugen so hart seitlich gegen die Ruderblätter, dass nachts die linke Pinne gebrochen ist. Steuerlos hat das Schiff aber so gut Kurs gehalten,wie mit einer Windsteueranlage, dass wir uns fragten, wozu wir die ganze Zeit mit Autopilot und Handsteuerung gefahren sind! Bei Tageslicht am 20.10. liessen Wind und Wellen etwas nach und wir konnten die Pinne mit zwei durchgebolzten 8mm Stahlschienen und Lashings reparieren.(hat übrigens zurück bis Korfu gehalten!!! Anm. von mir). Dann sind wir mit Motorunterstützung auf direkten S-W Kurs gegangen, um möglichst schnell aus dem Schlechtwettergebiet zu kommen - die KANAREN meldeten immer fleissig NW 5-6!!! Bei etwa 20 KTS Wind liefen wir mit Fock und Gross mit 2 Reffs (+ Motor!) ; ich hatte mich gerade in den Rumpf zum Ausruhen zurückgezogen. Michael am Ruder wusste nicht , wie ihm geschah, als in einer Schauerböe von plötzlich ca. 40 KTS der Vordermast in der Mitte abknickte - er hatte keine Zeit mehr, die Fock einzurollen oder den Rest vom Gross herunterzuholen. Wir konnrten die Tasche vom Gross aufschneiden und bis auf die untere Masthälfte alles aus dem Wasser bergen, da alle Wanten unversehrt waren.Das Ganze passierte etwa 100 SM S-W-lich von GIBRALTAR; Mit zweifach gerefftem hinterem Gross sind wir bei S-W 4 - 5 problemlos am Nachmiztag und der folgenden Nacht nach GIBRALTAR zurückgesegelt, haben morgens die Strasse mit Tidenstrom passiert und sind am 21.10. gegen 11 h in SOTTOGRANDE, einer vornehmen und stinkteueren Marina, eingelaufen. Bei den Aufräumarbeiten sahen wir, dass der Mastträger durch mein Delfinstag gehalten hat und nur seitlich weggedreht war; das Profil der Rollfock war natürlich hinüber - sonst hielten sich die Schäden in GrenzenDie Ursache für das ganze Desdaster war sicher ein dummes Zusammenspiel mehrere Faktoren - wir werden das sicher noch ausgiebig besprechen. Das Mittelmeer war inzwischen spiegelglatt und windstill - wir motorten dann 3 Tage die ganze COSTA DEL SOL mit völlig überfüllten Marinas entlang bis wir endlich in Almeria einen Liegeplatz für den Winter (ca.€ 200.- monatlich) fanden. ....... Soweit Jürgens Bericht. Die Folge war, dass er mir sein Schiff zum Kauf anbot,. zu einem Preis, bei dem ich nicht nein sagen konnte. Gemeinsam bauten wir im Winter einen neuen Mast, aus Hemlock, stärker und dicker als im Plan. Albin Glaser hat dazu eine Konstruktionszeichnung gemacht. Albin Glaser und Peter Weigel gemeinsam mit Helmut Rieder und Reinhold Schröder machten sich mit VW Bus und Mast auf dem Bootsanhänger im Frühjahr 2002 auf  nach ALMAERIA um gemeinsam mit Jürgen das Rigg rückzubauen, den Mast zu stellen und Richtung Korfu zu segeln, wo ich dann im Juli zum ersten mal auf "mein "Schiff ging. In der Marina Gouvia, direkt neben James Wharrams "SPIRIT OF GAIA". Meine bereits fertiggestellten Teile habe ich dann per e-mail TIKI 38 Bauern (Anschriften aus dem PCA Jahrbuch) angeboten, die Beams, Gaffeln und Pinnen gingen nach New Mexico, USA, (€ 500.- Frachtkosten), das stehende Gut und einige Blöcke nach Irland...Noch habe ich viele Blöcke laut Ausrüstungsliste... Über den Winter liegt TIKIMATA in der Marina CLEOPATRA in PREVZA an Land. Einige Umbauten und Reparaturen stehen jetzt an. Ruderblattlashings, PumpWC, Fäkalientank..

 

 

 

Da Jürgen das Boot in nur drei Jahren (!) gebaut hat, blieb für den Endausbau wenig Zeit bzw. sind manche Lösungen nur provisorisch gemacht worden. Etwa die Deckel der Motorgondeln, die auch als Sitzflächen im Cockpit dienen. Oder die fehlenden Abrundungen der Kanten bei Leisten. Strukturell allerdings hat Jürgen sehr sorgfältig und vertrauenerweckend gearbeitet. Hochwertiges Material (z.B. Carbongewebe CG 600 mit 576 gr / m² und Aramidgelege ARBX 350) und genaues Arbeiten ließ ein tolles Boot entstehen.

Das Deckshaus hat sich als super bei schlechtem Wetter sowohl unter Fahrt wie auch am Anker erwiesen. Wiewohl es dem Schiff das Aussehen eines kleinen Trawlers verleiht. Die großen Fensterfronten erinnern wiederum an ein Ausflugsschiff... Diese Änderungen gegenüber dem Plan machen allerdings Sinn, wenn man die Vorgaben Jürgens beim Bau kennt: er wollte ein Boot, auf dem man leben kann, genug Licht , um nicht trübsinnig zu werden, Stehhöhe überall und Witterungsschutz beim Steuern.

Trotzdem ist Jürgen zu der Überzeugung gekommen, dass Tikimata als ausschließliches Domizil einfach zu klein ist bzw. bei schlechter Witterung zu wenig Schutz bietet. So wird man bei Regen watschelnass, wenn man von einem Rumpf in den anderen will.

Die technische Ausrüstung ist reichhaltigst – fast nicht Wharram – like. Aber erleichtert vieles und gibt zusätzliche Sicherheit.

Segel: von Jekells, heavy duty Ausführung (für mein ursprüngliches Bauprojekt gekauft, daher irreführend die Baunummer 44 im Segel!)

Motorisierung: zwei mal SUZUKI DF 15 ARL (Viertakt)

Stromversorgung: Windgenerator Air Marine 403

Sonnenkollektoren SIEMENS Sunline MAP 100

Regelung: SOLARIX SIGMA 12 / 24 V 20 Ah

Strommangement: DCC 4000, zeigt augenblickliche Spannung, augenblicklichen Ladezustand der Batterie in % und die augenblickliche Stromflussrichtung – aus der oder in die Batterie – in A an.

Batterie: Sonnenschein Gel Akkumulator 240 Ah

Kühlschrank: selbstgebauter Kühlbehälter mit COOLMATIC 65 / Type 8 / VD (wird in der Nacht abgeschaltet, immer kaltes Bier und harte Butter)

Navigation: CLIPPER Windanzeiger

SILVA Kompass

GPS Maghellan 300 und 310

Echolot INTERPHASE "PROBE" (vorausschauend)

Radar SIMRAD ANRITSU LCD RA 772

Sextant Freiberger

Steuerung: Autohelm ST 4000 mit Radsteuerung

VETUS Hydraulik Pumpe MTP 30

VETUS Hydraulik Zylinder MTC 72

Sonstiges: Meerwasserentsalzer Power Surviver 40 E

Handfunkgerät TM 68

Rettungsmittel

Zu den Motoren: einige Bauteile scheinen sehr schwach dimensioniert zu sein – uns sind etwa die kleinen Kunststoffwinkel, die die Verbindung des Fernsteuerkabels mit dem Schalhebel herstellen, bei beiden Motoren im Laufe des Betriebes gebrochen. Das klingt nicht so tragisch, aber uns ist das gerade dann passiert, als wir auf eine Kaimauer zusteuerten und das Boot aufzustoppen war. Also Schalthebel auf retour und Vollgas. Aber anstatt zu bremsen beschleunigt das Boot noch. Man braucht ca. eine Minute, um zu realisieren, was da läuft. Inzwischen hat man schon eine Güteprobe des Betons, aus dem der Kai gemacht ist, mit dem Vordersteven

durchgeführt! Und der griechische Fischer, dessen Boot man dabei noch gerammt hat , empfängt einem mit einem mürrischen "Malakka". Bei der Einhebelsteuerung ist das ja so, dass der erste Weg des Hebels den Gang einkuppelt und eine weitere Bewegung des Hebels gibt dann Gas. Da man aber den Hebel nach hinten "auf den Tisch gelegt hat" das Boot aber vorwärts beschleunigt, ist man vollkommen verwirrt. Noch dazu, wo der zweite Motor – bei Hafenmanövern fahren wir immer mit zwei Motoren, bei Marschfahrt nur mit einem – normal reagiert. Die beiden Winkel habe ich aus Niroblech gebogen angefertigt.

Gegen Verunreinigungen im Benzin sind die Motoren auch recht empfindlich, sie brauchen viel Zuwendung. Wer schon einmal vom schwankenden Dingi aus einen Vergaser ausgebaut hat, weis was ich leide. Übrigens hat James und Hanekke das gleiche über ihre Yamahas erzählt. Immer wieder zerlegen und durchblasen.

Zur Energieversorgung: die dürfte so gut dimensioniert sein, dass es bis jetzt seit dem Stapellauf keiner Landverbindung zu einer Steckdose bedurfte! Im Gegenteil, der Regler unterbricht sogar manchmal, wenn beide Motoren mit hoher Drehzahl laufen, der Windgenerator bei Windstärke 5 dreht und die Sonne scheint, die ganze Stromversorgung – wegen Überproduktion.

Fair Winds Tikimata