AUSTRIAN WHARRAM CIRCLE


Justus Just erzählt von der

Segelsaison 2002

unter dem Böhmerwald

Zwischen sonnigem Anfang und Hochwasser


Die Segelsaison hatte angenehm begonnen. Es gab immer schönes Wetter, einmal mit blauem Himmel, dann wieder bewölkt. Ich steuerte bequem "halb liegend – halb sitzend" meine Tiki 21 an malerischen Gebieten des Moldau-stausees vorbei
Der Wind wehte ruhiger als extrem stark. Mein Katamaran segelte in angenehmer Reise-geschwindigkeit von einer Bucht in die andere.
Wie es so ist in Tschechien. Unser Jachtklub ist urig! Ein Gleis aus alten Zeiten führt ins Wasser. Für meinen Kat gibt einen herrlichen Strand zum Anlegen und im Hintergrund befindet sich der Hafen mit Dalben und Stegen.
Nach dem ersten Schlag über das breite Fahr-wasser entdecke ich schon die erste traumhaft schöne Bucht zum Baden und zum Sonnen. Ich spüre es, wie ich mich vom lebendigen Leben des Jachtklubs in eine schweigend stille Atmosphäre begebe.
Fast scheint es, als hätte ich den schönen langen Strand für mich alleine. Am Abend befindet sich vor diesem der beliebteste Ankerplatz der Tschechen.
Sollte ich plötzlich am Neusiedlersee gelandet sein? Nein! Eine solche schöne Schilfland-schaft findet man auch am Moldaustausee
Im Hafen sieht man immer wieder interessante Sachen, worüber man in geselliger Runde gerne tratscht: Ein Trimeran aus Australien und das selbstgebaute Boot des Pragers "Miroslav".
Wenn der Mond seine Bahn über den Böhmer-wald zieht, dann pflege ich gerne Kontakt mit tschechischen Freunden. Auch in dieser Runde wird bei Wein und "Pivo" von den Ereig-nissen des Tages erzählt.
Im August war die angenehme Segelsaison zu Ende. Es gab viel Regen und fast keinen Wind. Erstmals musste ich weite Strecken unter Motor zurücklegen. Das Wasser war rasch gestiegen.
Das Wasser war hoch wie noch nie. Aber es sollte noch um einen Meter steigen. Ich konnte dieses Schauspiel nicht miterleben, denn es war an einem Arbeitstag. Auch die Grenzen zu Tschechien waren an diesem Tag geschlossen

Wie war es danach? Das Hochwasser ist rasch wieder zurückgegangen. Im Hafen waren Betonplatten in unebene Lage versetzt. Es folgte kein besserer Wind. Nur an einem Tag im September segelte ich mit Freunden aus Deutschland bei Windstärke 6, bevor baldige Regentage das Ende der Saison anküdigten.